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„Eselsbrücken“

ein Vortrag des Heimat- und Verkehrsvereins Kenzingen von Gerd Möllmann im Gasthaus Hirschen in Kenzingen am 9. März.

Eselsbrücken 2

Gerd Möllmann hat schon eine Reihe interessanter Abende für den Heimat- und Verkehrsverein gestaltet. Seinen neuen Vortrag über Eselsbrücken sieht er in direktem Zusammenhang mit dem Vortrag „Redewendungen“, den er vor längerem in Kenzingen gehalten hat. In beiden, so meint Gerd Möllmann, ist unsere Sprache und wie wir damit umgehen das zentrale Thema. So wie in Redewendungen ein Begriff oder eine Verhaltensweise sprachlich verpackt wird, so wird in den Eselsbrücken eine wichtige Information, die man sich roh und nackt nur sehr schwer merken kann, in etwas verpackt, das besser im Gedächtnis bleibt und eher wieder abgerufen werden kann. Meist ist diese Verpackung witzig, lustig und fast immer mit Rhythmik. Der Mensch hat ein besonderes Faible für lustige und überraschende Reime. Dies machen wir uns zu Nutze um schwierig zu merkende Informationen nicht nur im Gehirn zu sichern sondern sie auch wieder abrufbar zu machen. Ein Beispiel: wann hat Alexander der Große gegen die Perser gewonnen?  „333 bei Issus Keilerei“.

 

Aber als erstes begann der Vortrag mit dem Esel. Zoologisch gesehen hat der Esel mit dem Esel im sprachlich übertragenen Sinn nun mal gar nichts zu tun. Das erste Tier, das der Mensch sich nutzbar gemacht hat, vor etwa 5000 Jahren in den Steppen Afrikas. Und die Gründe warum es den Esel als erste getroffen hat, Partner der Menschen zu werden, liegen auf der Hand: wer in der Steppe lebt, ist genügsam, kann auch einmal lange Zeit auf das Fressen verzichten, ist belastbar, hat mit seinen großen Ohren ein außerordentlich gutes Gehör, ist sehr trittsicher und rennt nicht wie das Pferd bei der geringsten Gefahr einfach weg, sondern bleibt stehen und ist mit seinen Hufen,  wenn nötig, sehr wehrhaft. Seine berühmte Sturheit ist oft für die begleiteten Menschen ein Segen, denn als Steppentier hat der Esel ein sehr gutes Gespür für Wasser. Und wenn er eine Quelle in der Nähe weiß, dann bleibt er halt einfach stehen. Genau so macht er es, wenn ein Mensch seinen Esel über einen Weg führen möchte, den der Esel für gefährlich hält.

Und so kommen wir zu dem Begriff Eselsbrücken. Die Bauern hatten ihre liebe Not mit ihren Eseln, denn diese gingen einfach nicht durchs Wasser, da konnte man nicht sehen wie der Weg war und ob man da gehen konnte. Und da blieben die Esel einfach stehen, da half kein schreien oder schlagen, nein, da ging er nicht durch. Es blieb den Leuten nichts anderes übrig, als an diesen Stellen eine Brücke zu bauen, eben nur für den Esel, das waren dann die Eselsbrücken. Und im übertragenen Sinn waren das dann die Abkürzungen zu einem Ziel das man sonst nur in Umwegen oder gar nicht mehr erreichen kann. Eine Eselsbrücke, eine einfache Abkürzung zu einer Information, die man sonst nur über Umwege wieder in Erinnerung zurückbekam.

Und dass es funktioniert, demonstrierte Gerd Möllmann an sich selbst. Die Zuhörer sollten ihm zwölf beliebige Begriffe sagen, die er sich mithilfe von Eselsbrücken dann merken werde. Mitten in seinem Vortrag lies er sich dann abfragen, und er wusste alle Begriffe noch und auch, an welcher Stelle der Begriff stand. Beeindruckend.

Zum Schluß stellte Gerd Möllmann die Frage, ob es in der heutigen Zeit noch Sinn mache, sich etwas mit Eselsbrücken merken zu wollen. Gegen die geballte Information, die uns Google zur Verfügung stellt, da kommen wir auch mit Eselsbrücken nicht an. Beispiel die Nebenflüsse der Donau. Ein bekannter Spruch zählt 8 Nebenflüsse auf. Google kennt 50! Man kennt das ja, eine nette freundliche Unterhaltung über irgendwas wird von jemanden gekillt, der die Bemerkung eines anderen gleich mit seinem Smartphone überprüfen muss. Ätzend, aber wohl unumgänglich in dem Zeitalter des Internet.

Warum und wozu dann noch Eselsbrücken? Ja doch sagt Gerd Möllmann. Eselsbrücken fördern unsere Sprache. Sprache, die zentrale Ausdrucksform, die den Menschen vom Tier unterscheidet, muss gepflegt werden, sonst besteht die Gefahr, dass sich der Mensch zurück entwickelt. Drastisches Beispiel ist für ihn die reduzierte Ausdrucksweise mancher Jugendlicher, die es völlig verlernt haben, in Sätzen zu sprechen. Haupt- und Nebensatz und auch Prädikat-Objekt kommt in der Unterhaltung vieler Jugendlicher einfach nicht mehr vor, es ist die verkürzte Ausdrucksform der Kommunikation über das Internet. Und unsere Intelligenz ist nun mal wesentlich komplexer als nur vage Gefühle, die man mit einfachen Halbsätzen ausdrücken kann. Das Gefühl für Sprachwitz und für Rhythmus kann man mit Eselsbrücken sehr gut lernen. Und das wäre ein Grund, sich sein Gedächtnis auch heute noch trotz Internet mit Eselsbrücken zu schulen. Zum Abschluss noch der Spruch, der 8 Nebenflüsse der Donau nennt: Iller, Lech und Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin, Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen.

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